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Archivale des Monats März 2020

Geldersatzschein über 50 Pfennig,1920 (8 x 5 cm)

Notgeldscheine sind nicht nur für Numismatiker ein beliebtes Sammelgebiet. Als wichtige Quelle der regionalen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte werden im Stadtarchiv unter anderem die durch den Magistrat der Stadt Halle herausgegeben Geldersatzscheine bewahrt. Darunter befindet sich auch ein 1920 herausgegebener 50 Pfennig-Notgeldschein. Schon während des I. Weltkrieges wurde infolge der Verknappung kriegswichtiger Rohstoffe Kleingeld eingezogen und eingeschmolzen.

Durch stockende Neuausgabe und Hortung von Metallgeld war bald ein Mangel an Kleinmünzen zu verzeichnen. Daher gab auch die Stadt Halle Notgeld in Papierform in Umlauf. Zu Beginn des Jahres 1920 sah sich der Magistrat erneut zu einer solchen Maßnahme gezwungen. Der schon einmal herausgegebene Vorrat an städtischen 50-Pfennig-Scheinen war vergriffen und der hohen Nachfrage konnte nicht mehr entsprochen werden. Zudem war der Zustand der im Umlauf befindlichen Scheine schlecht und eine Auswechselung dringend erforderlich.

Mit der Bitte um Gestaltungsvorschläge wandte sich die Stadtverwaltung an die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Halle, die spätere Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein. Von den drei gelieferten Entwürfen ist einer mit „Likarz 1920“ gekennzeichnet. Die bekannte Grafikerin Maria Likarz war 1916 als Leiterin der Fachklasse für kunstgewerbliche Frauenarbeiten an die Schule berufen worden. Die Wahl fiel schließlich auf eine nicht signierte Vorlage. Die Vorderseite ist in braun und beige gehalten und zeigt die Unterschriften des Oberbürgermeisters Richard Rive sowie des zweiten Bürgermeisters Hans Seydel als Vertreter des Magistrats und die Kontrollnummer. Das umlaufende Schriftband enthält den Gültigkeitsvermerk. Im Kontrast dazu steht die blauweiße Gestaltung der Rückseite mit dem Stadtwappen im Hintergrund. Vor drohender Strafe bei Fälschungen warnt die umlaufende Inschrift. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte der Ausgabe der neuen Scheine am 1. März 1920 zu. Die Herstellung konnte beginnen, verzögerte sich aber immer wieder, weil zwei Firmen vom Druckauftrag zurücktraten. Schließlich übernahm die Firma Kratz, Kunstanstalt für Kartographie, Lithographie und Steindruck Leipzig den Druck. Das Papier wurde vom Verlag der „Hallischen Nachrichten“ geliefert. Entgegen der auf dem Schein aufgetragenen Datierung „1. Mai 1920“ wurden die ersten Scheine erst im Juni zum Schneiden und Nummerieren an das Druck- und Verlagshaus Gebauer-Schwetschke in Halle überbracht und nachfolgend ausgegeben.