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Passendorfer Kirche

Nach der Flut ist vor der Flut – die Geschichte der Hochwasser in Halle  

farbiger alter StadtplanHistorischer Stadtplan (Quelle: Stadtarchiv)Unsere schöne Stadt Halle an der Saale und ihre Bewohner mussten über Jahrhunderte lernen, mit den Hochwassern des Flusses zu  leben. Aber Städte wurden meist an Flüssen gebaut. Alten Chroniken entnehmend, übertrafen die Schäden der immer wiederkehrenden Hochwasser in Halle oftmals die durch Kriegszeiten  verursachten Verwüstungen, verbunden mit unendlichem Leid und auch vielen zu beklagenden Todesopfern.

Besonders die Fluten der Jahre 1365,1595 und 1799 versetzten die Menschen in ungeheure Angst und Schrecken. Am 24. und 25. Februar 1799  brach eines der verheerendsten Hochwasser über Halle und die nähere Umgebung ein. Nach überlieferten Augenzeugenberichten fiel im Winter 1798 über zwei Monate lang ungeheuer viel Schnee und die Kälte war besonders hart. 

Als  Mitte Februar 1799 plötzlich starkes Tau- und Regenwetter einsetzte und große Eismassen auf der Saale zusammengeschoben wurden, schwollen   alle Teiche, Seen , Bäche und Flüsse im Land sehr schnell an. Der noch tief gefrorene Boden konnte kein Wasser aufnehmen und die ungeheuren, durch Unstrut und Elster zusätzlich gespeisten Wassermassen der Saale ergossen sich sintflutartig nach Aufbruch der Eisstauungen in alle Richtungen und in das gesamte Saaletal. 

Schlettau , Angersdorf und Passendorf standen völlig unter Wasser, zahlreiche Häuser und Scheunen stürzten ein, das Vieh ertrank. Ebenfalls schwer gelitten haben Planena in der Elsteraue, aber auch Ammendorf und Beesen. Das damals nur im Tale gelegene Kröllwitz musste den Verlust von 13 Häusern beklagen. In Halle war von der hohen Brücke nichts mehr zu sehen, die Gegend nach Nietleben und Schlettau hatte sich in einen einzigen See verwandelt. Die Färberei in der Klausvorstadt glich einem Trümmerhaufen und im Strohhof stieg das Wasser zwei Stock hoch, die Salzbrunnen wurden überschwemmt.

alte Tür in einer KircheHochwassermarken in der Passendorfer Kirche (Quelle: Pro Deich)Historische Hochwassermarken in der Türleibung an der nördlichen Eingangstür der Passendorfer Kirche. Besonders bemerkenswert ist die vom jetzigen Fußboden gemessene 1,65 m hoch gelegene Marke vom 25. 02.1799.  Obwohl die Fläche der heutigen Neustadt hoch überflutet war, stand damals trotzdem das Wasser in der Altstadt fast 2 m hoch.