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Geschichte des Stadtteils Halle-Süd

1847 - 1935: Landesheil- und Pflegeanstalt zu Nietleben
1934 - 1945: Heeres- und Luftnachrichtenschule
1945 - 1991: "Garnison Heide" der sowjetischen Streitkräfte
1991: Abzug der GUS-Truppen
seit 1991: Die Entwicklung des neuen Stadtteils Heide-Süd

Auf dem Zeitstrahl  (PDF 25kB) finden Sie einen zusammenfassenden Überblick über die historische Entwicklung des Stadtteils Heide-Süd.

1847 - 1935: Landesheil- und Pflegeanstalt zu Nietleben

Genbäude der ehemaligen Landesheilanstalt, Zustand ca. 1995Bis 1847 wurden die Flächen des heutigen Stadtteils Heide-Süd landwirtschaftlich zum Weinanbau genutzt. Die erste nachvollziehbare Besiedlung erfolgte mit dem Bau der ehemaligen "Landesheil- und Pflegeanstalt zu Nietleben" von 1842 bis 1847.

 

Die zunächst für ca. 400 Patienten geplante Anstalt vor den Toren der Stadt Halle wurde aus sechs miteinander verbundenen Gebäudeteilen gebildet, die ein klassisches Carré formten, mit großzügigem Innenhof, Wirtschafts- und Speichergebäude.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert gesellten sich zu den Hauptgebäuden dieser "reformierten" Anstalt Wohngebäude für Beamte, Ärzte und Pflegepersonal in villenartiger Bauweise sowie weitere Patientengebäude. Hinzu kamen außerdem die Anstaltskirche und das Gemeindehaus. Damit hatte die Anstalt gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Kapazität von 950 Patienten.

Villen der ehemaligen Landesheilanstalt, Zustand ca. 1995Die architektonische Gestaltung der Gebäude erfolgte sehr schlicht im Stil italienischer Landhäuser, erkennbar u. a. an der relativ flachen Dachneigung sowie dem Dachüberstand der Gebäude. 1935 wurde die Landesheil- und Pflegeanstalt geschlossen und das Areal mit seinen Gebäuden in die sich im Bau befindliche Heeres- und Luftnachrichtenschule einbezogen.    

1934 - 1945: Heeres- und Luftnachrichtenschule

Exerzierplatz Heide-Süd Feierlichkeiten zur Eröffnung der Heeres- und LuftnachrichtenschuleDie von Professor Ernst Sagebiel (Flughafen Berlin Tempelhof) entworfene und in nur 1 ½ jähriger Bauzeit errichtete Anlage, in der jährlich 2.000 Personen ausgebildet wurden, ist beispielhaft für die auf Repräsentanz staatlicher Macht ausgerichtete monumentale Architektur dieser Zeit. Innerhalb von 340 Arbeitstagen wurden 160 Gebäude errichtet. Täglich rollten 40 Eisenbahnwaggons mit je 15 Tonnen Baustoffen auf das Gelände, 4 - 8 Tausend Arbeiter waren damit beschäftigt, die Unterkünfte bis zum 1.7.1935 fertigzustellen, die Lehrgebäude wurden Ende Oktober 1935 in Betrieb genommen. Das ganze Baugeschehen erfolgte unter  dem Deckmantel der Errichtung einer "Nudelfabrik", weil der Aufbau der Luftwaffe, zu der auch die Nachrichtentruppen gehörten, aus dem Versailler Vertrag heraus untersagt war.

Die Anlage ist in zwei funktional getrennte Bereiche gegliedert, den Schul- und den Wohnstättenkomplex. Die Schule besteht aus zwei großzügig angelegten Carrés, die an barocke Schlossanlagen erinnern. Zwischen den beiden Komplexen der Heeres- und der Luftnachrichtenschule liegt der ehemalige Exerzierplatz mit zwei Pförtnerhäuschen im Eingangsbereich. Im rückwärtigen Bereich wurden die Mannschaftsunterkünfte errichtet.

ehemalige Heeres- und Luftnachrichtenschule, Gebäudebestand um 1940Als strukturell eigenständiger Teil der Kasernenanlage reihten sich sieben in sich geschlossene Kasernenhöfe entlang der Ringallee auf. Sie bestanden aus einem straßenbegleitenden Schulungsgebäude, zwei flankierenden Unterkunftsgebäuden und einer über 100 m langen Fahrzeuggarage. Die Ringallee, die den Straßenrand säumenden Platanen und die ausgedehnten Grünflächen zwischen den Häusern lassen die in den 20er Jahren modern gewordene städtische Struktur der Gartenstadt erkennen.

 1945 - 1991: "Garnison Heide" der sowjetischen Streitkräfte

Offiziere der sowjetischen StreitkräfteNach dem Ende des 3. Reiches im April 1945 wurde das nahezu unzerstörte Kasernengelände zunächst von der 104. Infanteriedivision "The Timber Wolves" der US-Armee besetzt. Ab Sommer 1945 übernahmen sowjetische Streitkräfte die Kasernenanlage.
Bis 1991 waren in der "Garnison Heide" ständig bis zu 9.000 sowjetische Soldaten und Offiziere mit ihren Familien untergebracht. Das Garnisonsgelände wurde mit einer geschlossenen Mauer umgeben und war damit zur Außenwelt nahezu hermetisch abgeriegelt.

Es stellte als "Stadt in der Stadt", mit jeglicher technischer Infrastruktur ausgestattet, für die Hallenser Bevölkerung ein Niemandsland dar. Der vorhandene Gebäudebestand wurde durch die sowjetische Garnison voll belegt und im Verlauf der 45 Nutzungsjahre durch mehrere Wohngebäude und eine Vielzahl von Fahrzeuggaragen, Werkstattgebäuden und Tankstellen ergänzt.Unterlassene und nicht fachgerechte Instandsetzungsarbeiten, unzweckmäßige Nutzungen - besonders der Bereiche der ehemaligen Landesheilanstalt - führten bis 1990 zum weitgehenden Verschleiß der Gebäudesubstanz und Außenanlagen.

1991: Abzug der GUS-Truppen

Verabschiedung der sowjetischen Streitkräfte 1991 durch den OB Dr. RauenDie russische Garnison Heide wurde im Juli 1991 offiziell durch den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), Dr. Klaus Rauen, zur Rückkehr in Ihre Heimat verabschiedet.
Die Bestandsaufnahme des Kasernenareals nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte ergab ein "buntes" Nutzungsbild. Die als Krankenpavillons der ehemaligen Landesheilanstalt errichteten Klinkerbauten waren als Offizierslazarett mit Röntgenstation, Apotheke und Behandlungszimmern eingerichtet.

ehemalige Garnison Heide-Süd Gebäudebestand um 1990Die ehemalige Anstaltskirche hatte man als Turnhalle, das benachbarte Gesellschaftshaus als Basketballsaal umfunktioniert. Ein Gebäudeteil der ehemaligen Anstalt war als Garnisonsgefängnis zweckentfremdet. Unweit der Kirche befand sich der Wirtschaftsbereich der Garnison mit eigener Schweinemastanlage. Im gesamten Gelände verteilt fanden sich Tankstellen mit Tanklagern für Öl und Benzin. Die Lehrgebäude der ehemaligen Heeres- und Luftnachrichtenschule wurden entsprechend weitergenutzt, ebenso das Offizierskasino, Versorgungsbauten und Unterkunftsgebäude.

seit 1991: Die Entwicklung des neuen Stadtteils Heide-Süd

Nach dem Abzug der GUS-Truppen gingen die Flächen der ehemaligen Garnison in das Eigentum des Bundes über. Die Stadt Halle (Saale) war sich sofort der ungeheuren Potentiale für die Stadtentwicklung, die in einer Revitalisierung der Flächen steckte, bewusst.

Ein erster Anspruch der Stadt Halle auf das ehemalige Garnisonsgelände wurde bereits Mitte 1991 durch den Stadtratsbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes Heide-Süd geltend gemacht. Bis 1993 wurde ein städtebaulicher Rahmenplan für die Nutzungsschwerpunkte Wohnen, Arbeiten, Forschen, Erholen entwickelt.

Vertragsunterzeichnung Grundstückserwerb zwischen Bundesrepublik Deutschland und Stadt Halle Parallel erfolgten Kaufvertragsverhandlungen, die 1994 erfolgreich zum Abschluss des Kaufvertrages zwischen Bund und Stadt Halle (Saale) über 134 ha der ehemaligen Garnison führten. Das Land Sachsen-Anhalt erwarb im gleichen Zeitraum ca. 19 ha der Konversionsfläche zur Nutzung für universitäre Zwecke. 1995 wurde vom Stadtrat der Stadt Halle die Satzung über die förmliche Festlegung des städtebaulichen Entwicklungsbereiches Heide-Süd (Entwicklungssatzung Heide-Süd) gemäß § 165 Baugesetzbuch gefasst. 

Blick von der Lise-Meitner-Straße nach Heide-Süd 1995; links im Bild Siedlung Feldschlösschen, im Hintergrund Gebäude der ehemaligen LandesheilanstaltIn den folgenden Jahren wurde intensiv an der Baureifmachung der Flächen gearbeitet. Dies beinhaltete einerseits die Altlastenerkundung und Sanierung, andererseits die Beräumung der Flächen von wertloser Bausubstanz (Garagen, Lagerhallen, Schuppen etc.). Die Entwicklung eines Planerischen Leitbildes für die Neuordnung des ehemaligen Kasernengeländes erfolgte 1996 über ein Masterplanverfahren unter Teilnahme von 18 renommierten Architektur- und Planungsbüros aus Deutschland und Europa. 

Masterplanverfahren Heide-Süd 1996 - Diskussion am Modell Entsprechend dieses Leitbildes wurden verschiedene für eine Nachnutzung unbrauchbaren Kasernengebäude rückgebaut und es begannen die Erschließungsarbeiten im ersten Wohnungsbauabschnitt. Mitte 1998 konnten die ersten Bewohner in ihre neuen Häuser am Grünen Weg einziehen. Seitdem wächst der jüngste Stadtteil Halles kontinuierlich. Heute wohnen knapp 4.500 Menschen in Heide-Süd, 5.000 sollen es in der Endausbaustufe sein.