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Archivale des Monats September 2019

Pottel & Broskowski - Große Ulrichstraße 33-34

Ansicht Fassade HausDas Unternehmen Pottel & Broskowski wurde am 8. September 1894 mit dem Stammsitz in der Großen Ulrichstraße 28 durch die beiden namensgebenden Inhaber Karl Pottel und Leo Broskowski, welche miteinander verschwägert waren, als Feinkostgeschäft gegründet. Nach einem schwierigen ersten Jahr war der Firma eine rasche Entwicklung beschieden, sodass eine Erweiterung der Geschäftsfläche nötig wurde.
Die entsprechenden neuen Räumlichkeiten wurden im Haus Große Ulrichstraße 33-34 angemietet. Das Gebäude, allen Hallensern als „Jugendstilhaus“ bekannt, war durch die Firma Knoch & Kallmeyer auf eigene Rechnung unter der Bauleitung des Münchner Architekten Otto Schnartz errichtet worden, die Baukosten beliefen sich auf die seinerzeit imposante Summe von 215.000 Mark. Zu Buche schlug dabei auch die baukünstlerische Ausstattung, so die bildhauerische Gestaltung von Friedrich Mänicke (1863-1933), das schmiedeeiserne Gitterwerk der Schaufenster der Firma Gebr. Armbrüster in Frankfurt am Main sowie die farbigen Mosaikbilder nach Entwürfen von Prof. Hans Karl Seliger (Berlin), welche durch die Deutsche Glasmosaikgesellschaft Puhl & Wagner in Rixdorf (heute Berlin-Schöneberg) ausgeführt wurden.
Pottel & Broskowski betrieben nach der Geschäftseröffnung am 24. September 1898 eine Delikatessen-, Wein-, Liqueur-, Conserven- und Kaffeehandlung und versprachen in der Zeitungsanzeige zur Eröffnung „stets das Allerfeinste zu billigsten Preisten [zu] liefern“. Der geschäftliche Erfolg ermöglichte es, im ersten Obergeschoss am 29. September 1906 zusätzlich noch ein exklusives Weinlokal zu eröffnen, welches das Aushängeschild des Unternehmens werden sollte. Die Firma beschäftigte 1907 ca. 55 Mitarbeiter. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurde das Unternehmen durch Produktion von Konserven in die Versorgung der Truppen an der Front einbezogen.
Das Gebäude verblieb bis 1920 im Besitz von Knoch & Kallmeyer und ging im selben Jahr in den Besitz von Balthasar Döll über, welcher im Erdgeschoss bis 1953 ein Geschäft für Pianos betrieb.
Nach Dölls Flucht in den Westen 1953 wurde das Gebäude in Volkseigentum überführt. Seit Februar 1957 wurden die durch den Architekten Günther Trebstein umgestalteten Räumlichkeiten als erster hallischer Selbstbedienungsladen von der HO betrieben.

Bildunterschrift:
Blick auf das Wohn- und Geschäftshaus Große Ulrichstraße 33/34. Foto aus der Zeitschrift „Deutsche Architektur“.